e.News 09/2009
 
Fragerecht im Bewerbungsgespräch

 

  Ob und welche Fragen ein/e Bewerber/in im Bewerbungsgespräch wahrheitsgemäß beantworten muss, hängt häufig von den Umständen des Einzelfalls ab.
Unser Beitrag - ein Auszug aus einem Artikel des Arbeitsrecht-Spezialisten Andreas Gerhartl - gibt einen Überblick über die häufigsten Fragestellungen, die in der Praxis auftauchen.

Den vollständigen Artikel können Sie in der Ausgabe Nr. 12/2008 von "PV-Info Die Fachzeitschrift für Personalverrechnung" des Linde-Verlags nachlesen.


Wahrheitspflicht
Fragen zu folgenden Themen muss ein/e Bewerber/in richtig beantworten:

  • Eigene Person und Qualifikation für die beabsichtigte Verwendung, etwa Name und Wohnort, Geburtsdatum, fachliche Ausbildung (Schulabschluss etc.) und frühere Dienstverhältnisse.

  • Gesundheitszustand, soweit er für die zu besetzende Stelle von Bedeutung ist (beispielsweise, wenn ein/e Bewerber/in für eine Stelle im KundInnenverkehr nach ansteckenden Krankheiten gefragt wird).

  • Ableistung des Präsenz- bzw. Zivildienstes.

  • Ungetilgte Vorstrafen, die den/die Bewerber/in für die angestrebte Stelle objektiv ungeeignet erscheinen lassen; z.B. im Fall einer Bewerbung für eine Tätigkeit im Kreditwesen eine Verurteilung wegen eines Vermögensdeliktes.

Keine Wahrheitspflicht
Bei der Beantwortung folgender Fragestellungen besteht hingegen keine Wahrheitspflicht:

  • Bestehen einer Schwangerschaft oder Familienplanung.

  • Bereits getilgte Vorstrafen.

  • Bisheriges Gehalt, es sei denn, dass ihm für die gegenständliche Stelle eine Aussagekraft zukommt (z.B. wenn es für die Beurteilung der Qualifikation erforderlich ist) oder der/die Bewerber/in eine Bezahlung in Höhe seines/ihres bisherigen Gehalts gefordert hat.

  • Die privaten Vermögensverhältnisse müssen ebenfalls nur bei Vorliegen besonderer Umstände preisgegeben werden, etwa im Fall eines anhängigen Konkursverfahrens und einer Bewerbung um eine besonders vertrauensvolle Stelle.

Keine Diskriminierung
Diskriminierende Fragen, etwa nach der geschlechtlichen Orientierung, dem Religionsbekenntnis, der politischen Anschauung oder der Gewerkschaftszugehörigkeit, unterliegen ebenfalls nicht der Wahrheitspflicht. Anderes gilt allerdings in Betrieben, die unmittelbar oder überwiegend konfessionellen oder politischen Zwecken dienen.

Behindertenstatus
Hier besteht nach einer Entscheidung des OLG Wien die Rechtsauffassung, dass die Frage nach dem Vorliegen einer begünstigten Behinderung nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden muss.

 


 
 
 
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